Datum: Dienstag, 02. Juni 2020


Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge, des Sekretariates, der Kirchenmusik, liebe Küsterinnen und Küster, liebe Mitglieder der Gremien, der Kirchenchöre, Lektoren und Kommunionhelfer und Ehrenamtliche!

In diesen Tagen wird unsere bisherige Art und Weise zu leben nahezu grundlegend geändert. Wir erfahren wie zerbrechlich alles ist, auf das wir unser Leben aufgebaut haben. Ja, die Endlichkeit unserer Existenz wird uns stärker denn je bewusst.
Wir stehen mitten in der Fastenzeit, der österlichen Bußzeit, lateinisch der Quadragesima. Die Zeit der 40 Tage. Die Etymologie verweist uns darauf:
Quadragesima-quarante (frz. vierzig)-Quarantäne
Die Fastenzeit ist die Zeit der Quarantäne. In diesem Jahr erfahren wir dies als eine harte und schwere Wirklichkeit. Die Zahl 40 erscheint immer wieder in der Bibel:
40 Jahre irrte das Volk Israel durch die Wüste, bevor es in das Gelobte Land einziehen konnte.
40 Tage war Mose auf dem Berg Sinai, bevor er die Zehn Gebote erhielt.
40 Tage fastete Jesus in der Wüste, bevor er öffentlich auftrat.
In den ersten Wochen der diesjährigen Fastenzeit wird im Stundengebet in der sog. Lesehore das Buch Exodus gelesen, das die 40 Jahre Wüstenwanderung des Volkes Israel nach dem Auszug aus Ägypten schildert. Dabei sind mir die Parallelen zu unserer Situation bewusst geworden. Die Coronapandemie mit ihren noch unabsehbaren Folgen lässt uns das bisher Vertraute verlieren. Wir müssen das Ägypten unserer fragilen Sicherheiten verlassen. Vor uns liegt eine Zeit, die wie eine Wüstenwanderung unsicher und lebensbedrohend ist.
In dieser bedrängenden Zeit war Gott seinem Volk vielfältig nahe (Speisung mit den Wachteln, das Manna, Wasser aus dem Felsen). Die Nähe Gottes wurde auch sichtbar bei Tag durch eine Wolkensäule und bei Nacht durch eine Feuersäule. So ist auch Gott uns, seinem Volk, nahe in der Wüstenwanderung unserer Tage.
Wir Menschen benötigen Zeichen, um diese Nähe Gottes zu erfahren. Dies geschieht für viele von uns besonders in der Feier der Heiligen Messe. Alle gewohnten Zeichen entfallen in diesen Tagen.
Daher mein Vorschlag, ja meine Bitte an Sie: Lassen wir die Feuersäule der Gegenwart Gottes in der Dunkelheit der Wüstenwanderung während der Coronapandemie leuchten. Stellen Sie ab morgen Abend um 21.00 Uhr eine brennende Kerze sichtbar in ein Fenster. Verbinden wir uns untereinander, mit den Erkrankten, allen Helferinnen und Helfern, den Einsamen, einfach allen Menschen, die in unseren Gedanken gegenwärtig sind. Lassen wir die Dörfer unserer PG Waldrach leuchten, bezeugen wir so die Gegenwart Gottes! Sprechen wir ein Gebet, singen wir unsere vertrauten Lieder oder schweigen wir einfach!
Es gilt die Zusage Gottes, die er Mose vor dem Auszug aus Ägypten machte: Ich bin der Ich bin da!
Meine Lieben: Ich fühle mich Ihnen allen eng verbunden, gedenke Ihrer täglich in der Feier der Heiligen Messe und grüße Sie herzlich und innigst,

Ihr
Ralf-M. Willmes, Pfarrer

4316 Pluwig, 20.03.2020

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