Datum: Freitag, 29. Mai 2020

Liebe Mitchristen unserer Pfarreiengemeinschaft!

Der zweite Ostersonntag heißt in der Ostkirche "Thomassonntag" und bewahrt in ökumenischer Verbundenheit mit der lateinischen Kirche des Westens die Erinnerung an die Begegnung des auferstandenen Christus mit dem Apostel Thomas.

Es ist jene Szene, die uns der Evangelist Johannes im 20. Kapitel seines Evangeliums schildert, die Christen durch alle Zeiten hindurch bewegt.

Thomas, der nicht glauben konnte, dass Jesus Christus am Abend des Ostersonntags den anderen Aposteln erschienen war, möchte die Wundmale Jesu sehen und seine Hände in diese hineinlegen. Für Thomas ist es evident, dass die Wundmale die Identität des Gekreuzigten mit dem Auferstandenen bezeugen. Und so fordert Jesus den Thomas bei der Erscheinung acht Tage später auf, seine Hand und seine Finger in die Wundmale hineinzulegen. Dies veranlasst Thomas zum klaren Glaubensbekenntnis: "Mein Herr und mein Gott!"

Diese Szene des Johannesevangeliums birgt in der Ungewissheit unserer jetzigen Lebenssituation angesichts der Corona-Pandemie einen tiefen Trost.

In den Unwägbarkeiten des Lebens ( zum Beispiel: die verschobenen Erstkommunionfeiern, Taufen, Trauungen), der Gefährdungen und der Abgründe unserer Angst sind die fünf Wundmale Jesu Zufluchtsstätten; Orte der Geborgenheit in der Unbehaustheit unserer Existenz. Die Wundmale Jesu werden zum „Geheichnis“ und damit zu einem Ort, an dem wir uns geborgen und aufgehoben wissen. Die Zeichen von Schmerz, Gewalt und Tod im Bild der Wunde der Nägel und des Speeres, der aufgerissenen Haut, sind die schützenden Höhlen des fleischgewordenen Wortes Gottes, die in ihrer verletzlichen Offenheit unsere Ängste aufzunehmen vermögen.

Unser ganzes Leben ist in den fünf Wundmalen Jesu geborgen.

Die Werke unserer Hände, ob zärtlich oder rau, die Computermaus bewegend oder den Hammer schwingend, tröstend oder zugreifend, sind hinein genommen in die Wundmale der Hände Jesu.

Die Wege, die unsere Füße zurücklegen, verschlungene Pfade oder Rennstrecken, Sackgassen oder Siegerstraßen, im Glänzen des Lackschuhs oder im Staub des Arbeitsschuhs, all dies ist hinein genommen in die Wundmale der Füße Jesu.

Unser Glauben, Hoffen und Lieben, unsere Wünsche und Träume, unsere Sorgen und Schmerzen, unsere Angst und unser Mut liegen Jesus am Herzen. Dafür steht seine Seitenwunde.

Es ist der auferstandene Sohn Gottes, der unser gesamtes Leben umfängt; der unser Leben zu seiner Sache macht.

Es sind die heiligen fünf Wunden, die hineinleuchten in die Dunkelheiten unserer Tage.

Mit Thomas bleibt uns das staunende Bekenntnis: "Mein Herr und mein Gott!"

Zwei Lieder im Gebetbuch greifen die Thomaserzählung auf (GL Nr. 322,7-11 und GL 497,4). Sie eignen sich zum persönlichen Beten und Singen am Thomassonntag, ebenso der kurze Text von Wilhelm Willms zur Betrachtung:

"Die heiligen fünf Wunden, die werden nicht verbunden, die glühen und blühen in unserer Zeit."

Seien Sie alle herzlichst gegrüßt! 

Ihr Ralf-M. Willmes, Pfarrer

54320 Waldrach, 17.04.2020

Download

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.