Datum: Freitag, 29. Mai 2020


Wort zum Fünften Sonntag der Osterzeit

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Sonntage, auch die der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachten, Fastenzeit, Osterzeit) erhalten ihren Namen nach dem Einleitungsvers (Introitus) der Heiligen Messe. Die Messfeier am Fünften Sonntag der Osterzeit beginnt mit dem ersten Vers des 98. Psalms: "Singt dem Herrn ein neues Lied"  (in der lateinischen Sprache "Cantate domino canticum novum). Der Sonntag "Cantate" ist der Sonntag des Liedes!

Wir werden aufgefordert Gott ein neues Lied zu singen. Es ist kein unbestimmtes Lied, das wir singen, unser Lied als Christen hat ein Ziel; es ist ausgerichtet auf den Herrn, auf den Gott, der in Jesus Christus sichtbar in diese Welt gekommen ist. Unser Lied ist kein einseitiger Rückblick in die Vergangenheit, sondern streckt sich über das Heute, in dem es gesungen wird, in die Ewigkeit Gottes aus. Die Ewigkeit Gottes ist kein abgeschlossener Raum, in dem alles unveränderbar wäre, sondern ist gleichzeitig mit unserer Zeit und dennoch jeder Zeit voraus. Die Ewigkeit Gottes wird so für uns, die wir im Heute leben, zum Keim der Hoffnung auf eine gelingende Zukunft mit und bei Gott.

Das neue Lied ist für uns Christen, da es dem Herrn zu singen ist, ausgerichtet auf das hin, was sich im Leben Jesu ereignet hat.

Das neue Lied preist den Tod und die Auferstehung Jesu Christi und verkündet der Welt das neue Handeln Gottes. Der Sohn Gottes ist in alle Not des Menschseins bis in das Grab des Todes hinabgestiegen. Er hat am Kreuz alle Menschen umarmt und trägt als der Auferstandene uns Menschen zum himmlischen Vater hinauf. Der tiefe Abgrund der Trennung von Gott und Mensch ist durch die gekreuzigte Liebe aufgehoben worden. Daher singen die Christen seit Ostern das neue Lied!

Dieses neue Lied können wir singen im tristen Einerlei des Alltäglichen, in den Stunden der Einsamkeit und der Kontaktbeschränkung, in den Zeiten von Trauer und Krankheit. Das neue Lied eröffnet einen Horizont, der weiter reicht als der eines einschränkend-begrenzten neuen Virus. Als österliche, erlöste, neue Menschen singen wir das neue Lied. Wir singen es nicht euphorisch-berauschend, sondern nüchtern und mit freudiger Gelassenheit im Bewusstsein, dass Gott gehandelt hat, dass Gott handelt und dass Gott handeln wird.

Ich nutze dieses Schreiben zum Sonntag "Cantate" alle Sängerinnen und Sänger unserer Kirchenchöre, aber auch der weltlichen Chöre herzlich zu grüßen! In diesen Gruß schließe ich die Musizierenden aller Musikvereine ein, mit denen wir in der Pfarreiengemeinschaft Waldrach zusammenwirken. Für Sie alle ist diese Zeit der Beschränkung schmerzlich, ohne das gemeinsame Proben, ohne Singen und Musizieren, ohne das Miteinander, das Ihnen doch immer gut getan hat! Ich drücke Ihnen auf diesem Wege meine Verbundenheit und meine Dankbarkeit für Ihr musikalisches Wirken aus! Das neue Lied, das wir als Christen anstimmen dürfen, möge Ihnen die Perspektive der Hoffnung eröffnen. So wie es der heilige Augustinus (354-430) in einer Osterpredigt formuliert hat: " So lasst uns also den Herrn loben mit dem Leben und mit der Zunge, mit Herz und Mund, in Wort und Tat. Heute lasst uns singen,... um in der Drangsal Trost zu finden... Singend tröste dich in der Not, liebe die Verdrossenheit nicht! Singe und schreite aus!"

Alle Leserinnen und Leser dieses Briefes grüße ich froh und stimme mit Ihnen ein in das neue Lied, das in neuer Freude uns aufrichten, trösten und stärke möge!

Ihr Ralf-M. Willmes, Pfr.

Download

Folgende Psalmen eignen sich am Sonntag Cantate zum Beten und Singen:

Ps 98 (im Gotteslob Nr. 55) und Ps 149 (im Gotteslob Nr. 80).

Das Lied Nr. 409 greift die Aussage des Psalmes 98 auf.

 

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.